Von der Einsamkeit des Klassenzimmers I

21.02.2021

Distanzunterricht aus Lehrersicht

Müde Kinderaugen blicken seit fünf Stunden in einen flackernden Bildschirm, der Rücken schmerzt und die Lust zum Lernen ist auf dem Nullpunkt. Was momentan viele Kinder im Distanzunterricht in Bayern erleben, hat nicht mehr viel mit pädagogischem Wirken zu tun. Andererseits bis spät in die Nacht Netflix schauen, bis Mittag schlafen, am Nachmittag ein paar Arbeitsblätter mehr schlecht als recht ausfüllen und dazwischen ganz viel an der Konsole zocken, kann es auch nicht sein. Wie kann man also die Schülerinnen und Schüler auch im Distanzunterricht bei der Stange halten und möglichst gut fördern? Diese Frage stellte sich die Schulleitung des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums zu Beginn des zweiten Lockdowns erneut und hat versucht eine möglichst gute Antwort zu finden.

Momentan sind die Gänge im Fraunhofer-Gymnasium meist menschenleer.
Momentan sind die Gänge im Fraunhofer-Gymnasium meist menschenleer.

Bereits im ersten Lockdown, als sowohl die organisatorische und die technische Infrastruktur noch im Aufbau war, bemühte sich das Fraunhofer-Gymnasium um eine klare Struktur und einfache Kommunikationswege. Die Plattform Mebis erwies sich sowohl damals als auch heute, neben der Kommunikation über das Infoportal, als Glücksfall für die Schule. Im Gegensatz zur weitläufigen Meinung, das System Mebis würde ständig abstürzen und sei nicht einmal ansatzweise dazu geeignet, die Schüler beim Distanzlernen zu unterstützen, machte das Fraunhofer-Gymnasium sehr gute Erfahrungen mit der Plattform des Bayerischen Kultusministeriums. Natürlich gab es anfängliche Schwierigkeiten und die Schüler und Lehrer mussten sich erst einmal einarbeiten, aber die grundlegenden Funktionen waren schnell geklärt. Und die Bereitschaft innerhalb des Kollegiums, sich selbst fortzubilden, war enorm. So mancher Lehrer nahm in den letzten Monaten an bis zu 20 oder sogar 30 Fortbildungen zum Digitalen Lernen und zum Umgang mit Mebis teil. Dementsprechend lief der Distanzunterricht im ersten Lockdown – im Rahmen der Verhältnisse - sehr gut. Die Fachlehrer einer Jahrgangsstufe erarbeiteten gemeinsam Lernpakete für die Schüler und gaben ihnen wochenweise Arbeitsmaterial, Online-Übungen und Wochentests zum Bearbeiten. Jeder Schüler wusste genau, was zu erledigen war und das Material auf Mebis konnte auch außerhalb der Stoßzeiten unproblematisch heruntergeladen oder bearbeitet werden.

Infoportal, Mebis und Big Blue Button

Als im Herbst dann immer wieder Klassen in Quarantäne geschickt werden mussten und der zweite Lockdown drohte, stellte die Schulleitung des Fraunhofer-Gymnasiums die Weichen für einen Distanzunterricht mit Online-Videokonferenzen. Auch nun setzte man nicht - wie andere - auf große Anbieter, deren Datensicherheit nicht den deutschen gesetzlichen Vorgaben entspricht, sondern auf einen sicheren, kleineren Anbieter. Mit dem Videokonferenzsystem „Big Blue Button“ nutzt das Fraunhofer eine eigene autarke Plattform, deren Server allen rechtlichen Vorgaben entsprechen und die von der Schule sogar selbst angemietet wurden. Mit Passwörtern und Zugangsbeschränkung kann so auch ein Missbrauch des Systems weitestgehend ausgeschlossen werden und Schüler und Lehrer können in Ruhe das tun, wofür sie eigentlich da sind: Lernen und beim Lernen helfen. Aber auch hier wird nichts dem Zufall überlassen. Um die eingangs erwähnte Überforderung bzw. Unterforderung der Schüler zu vermeiden, erstellte das Team um Schulleiter Uwe Mißlinger ein genaues Konzept, welcher Schüler wie viele Videokonferenzen hat und was zusätzlich noch zu erledigen ist. Stundenpläne wurden erstellt, an die Eltern verschickt und pünktlich zum ersten Schultag nach den Weihnachtsferien ging es los.

Blick ins Homeoffice - Mebis ist ein ständiger Begleiter
Blick ins Homeoffice - Mebis ist ein ständiger Begleiter

Jede Klasse hat nun einen eigenen virtuellen Klassenraum, den der Lehrer „aufsperrt“, die Schüler einlässt und in dem die Videokonferenzen (ViKos) in einem geschützten Rahmen stattfinden. Materialien, Hörbeispiele, Aufgaben, Online-Übungen und Tests gibt es wie bisher auch im Klassenzimmer in Mebis. Für die Klassen ergibt sich so ein gut strukturierter Unterrichtsvormittag mit ViKos und Arbeitsaufträgen im Wechsel. Natürlich gibt es immer wieder einmal technische Schwierigkeiten, aber auch hier kann geholfen werden. Die FSJler des Fraunhofer stehen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen, wo sie können.

Aber wie kann man sich nun so einen Unterrichtstag für einen Schüler vorstellen?

Ein Fünftklässler beginnt seinen Unterrichtstag pünktlich um 8.00 Uhr mit der ersten Videokonferenz. Der Lehrer erklärt neuen Stoff, übt mit den Schülern, erarbeitet mit ihnen gemeinsam neue Aufgaben und hilft bei Fragen. Nach 45 Minuten ist die erste ViKo vorbei und es gibt freie Zeit, um einen Arbeitsauftrag oder vielleicht sogar schon einen Teil der Hausaufgabe zu erledigen. Über den Vormittag verteilt hat unser Fünftklässler dann insgesamt drei Videokonferenzen und drei freie Stunden, in denen er sich seine Zeit selbst einteilen kann. Natürlich sind auch Pausen eingeplant, in denen die Schüler etwas essen können und sich bewegen, um dann wieder konzentriert beim Online-Unterricht zu sein. Die Hausaufgaben werden am Nachmittag erledigt und für die Freizeit gibt es natürlich auch ein Fraunhofer-Angebot. Das Ganztagsteam macht jede Woche nachmittags verschiedene Angebote aus den Bereichen Kunst, Musik, Sport oder Life Kinetik und stellt auch immer wieder Videos online auf die Schulhomepage. Zusätzlich gibt es in Mebis für jeden Schüler einen Freizeitbereich, in dem immer wieder Anregungen zu finden sind. So machte die Unterstufe in den letzten Wochen mehrere Challenges: Es wurden Schneefiguren oder Vogelhäuschen gebaut und erst diese Woche wurde das schönste Faschingskostüm ermittelt.

Insgesamt läuft also alles hervorragend, oder?

Nein, nicht so ganz. Denn sowohl den Schülern als auch den Lehrern wäre ein echter Unterricht vor Ort in der Schule wesentlich lieber. Nicht nur wegen der Effektivität des Präsenzunterrichts und der besseren Lernergebnisse, sondern vor allem wegen der sozialen Komponente. Nicht nur den Schülern gehen ihre Freunde ab, auch so mancher Lehrer hätte gerne mal wieder seine Schüler live vor sich. Die Schüler gehen einfach ab und eine leere Schule ist einfach nur traurig anzusehen! Gerade für die Mittelstufenschüler, für die Unterricht und Schule sowieso eher zweitrangig sind und die Zeit mit den Freunden und die gemeinsamen Erlebnisse der eigentliche Grund dafür sind, in die Schule zu gehen, ist die Zeit des Distanzunterrichts sehr schwierig, manchmal frustrierend und wenig motivierend. Nichtsdestotrotz muss man den allermeisten Schülern ein aufrichtiges Lob aussprechen (und damit auch ihren Eltern). Sie sind bei der Sache, lernen mit, erledigen ihre Aufgaben wie Erwachsene und geben so mancher Videokonferenz auch aus der Entfernung den nötigen Schwung. Vielen Dank dafür!


Susanne Melichar

Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium

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