
25.07.2026
Bewegende Lesung über das Leben von Dr. Rudolf Ziesler
Ein besonderer Abend voller Geschichte, persönlicher Erinnerungen und musikalischer Momente fand am Montag in der gut gefüllten Aula des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums statt. Im Mittelpunkt stand die Lesung von Diana Binder aus ihrer Biographie über Dr. Rudolf Ziesler. Unter dem Motto „100 Jahre gelebte Geschichte – ein ehemaliger Fraunhofer erzählt“ erhielten die Zuhörerinnen und Zuhörer einen eindrucksvollen Einblick in das bewegte Leben des Zeitzeugen. An einigen Stellen ergriff Dr. Ziesler selbst das Wort und teilte anschaulich und detailliert persönliche Erfahrungen aus seinem Leben mit dem Publikum. Seine unmittelbaren Schilderungen verliehen dem Abend eine ganz besondere Authentizität und machten Geschichte auf eindrucksvolle Weise persönlich erlebbar.
Für das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium war die Veranstaltung auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil Dr. Ziesler selbst eng mit der Schule verbunden ist: Er gehörte zur ersten Abschlussklasse nach dem Zweiten Weltkrieg und legte 1947 am JvFG sein Abitur ab. So wurde die Lesung zugleich zu einer Begegnung mit der eigenen Schulgeschichte und zu einer ganz persönlichen Spurensuche.
Vorbereitet und gestaltet wurde der Abend von einer Gruppe aus zehn Schülerinnen und Schülern, die sich im Rahmen der Wissenschaftswoche intensiv mit dem Leben und Wirken Dr. Zieslers auseinandergesetzt und bereits im Vorfeld wichtige Vorarbeiten geleistet hatten. Mit großem Engagement planten sie die Veranstaltung der vergangenen Woche und entwickelten daraus einen Abend, der weit über eine klassische Lesung hinausging.
Einen besonderen Rahmen schuf die musikalische Umrahmung durch Schülerinnen und Schüler beider Chamer Gymnasien unter der Leitung von Fabian Eigenstetter. Die Musik verlieh dem Abend eine festliche und zugleich nachdenkliche Atmosphäre.
Auch die Schülerinnen und Schüler selbst hatten sich intensiv mit der Vergangenheit des JvFG beschäftigt. Bei ihrer Spurensuche im Schularchiv stießen sie auf historische Aufnahmen des Schulhauses und stellten diese aktuellen Bildern gegenüber. Mit diesen Bildern überraschten sie Dr. Ziesler und machten auf eindrucksvolle Weise sichtbar, wie sich seine ehemalige Schule im Laufe der Jahrzehnte verändert hat – und was dennoch bis heute verbindet.
Für eine kleine Pause und die Gelegenheit zum Austausch war ebenfalls gesorgt. Zum Abschluss des Abends richteten die Schülerinnen und Schüler selbst das Wort an die Gäste und teilten ihre persönlichen Gedanken und Eindrücke. Dabei wurde deutlich, dass die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte Dr. Zieslers bei ihnen wichtige Fragen hinterlassen hatte: über Krieg und Frieden, Zivilcourage, Verantwortung und die Möglichkeiten, auch in schwierigen Zeiten seinen eigenen Weg zu gehen. Besonders beeindruckt zeigten sie sich von Dr. Zieslers Menschlichkeit und seiner positiven Haltung trotz zahlreicher belastender Erfahrungen.
Mit ihren Worten gaben die Jugendlichen den Zuhörerinnen und Zuhörern schließlich eine wichtige Botschaft mit auf den Weg: Erinnern bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu leben, sondern Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Damit knüpften sie an die zentrale Aussage des Abends an – dass persönliche Lebensgeschichten nicht nur bewahrt, sondern auch für kommende Generationen lebendig gehalten werden müssen.
Abschließend hatten auch die betreuenden Lehrkräfte, Frau Eichinger und Frau Hoffmann eine besondere Überraschung für den Ehrengast vorbereitet. Sie überreichten Dr. Ziesler als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung eine Ausgabe der Festschrift des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums sowie eine Kopie seiner historischen Registraturkarte. Die besonderen Erinnerungsstücke sorgten für einen weiteren persönlichen Moment und schlugen einmal mehr die Brücke zwischen der Schulgeschichte von damals und dem JvFG von heute.
Eine besondere Freude bereitete zudem die Tochter von Dr. Ziesler, Cornelia Griesbeck, der Schule: Sie überreichte Frau Hoffmann, der Fachleitung Geschichte, einen Klassensatz der Biographie. Frau Hoffmann hatte zuvor den Wunsch geäußert, das Buch künftig gerne in den Geschichtsunterricht einzubinden. Damit wird die Lebensgeschichte Dr. Zieslers auch über diesen besonderen Abend hinaus Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, sich mit Geschichte anhand eines persönlichen Lebenswegs auseinanderzusetzen und einen unmittelbaren Zugang zu historischen Ereignissen und ihren Auswirkungen auf das Leben eines Menschen zu gewinnen.
So endete ein außergewöhnlicher Abend, der Geschichte am Ort ihrer eigenen Entstehung erlebbar machte. Die Lebensgeschichte von Dr. Rudolf Ziesler, die Lesung von Diana Binder und das engagierte Mitwirken der Schülerinnen und Schüler verbanden Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise – und zeigten zugleich, wie wertvoll es ist, wenn eine Schule ihre eigene Geschichte kennt, bewahrt und weiterträgt.
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