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Berichte über Veranstaltungen 2025

FRAUNHOFER-Freunde luden zum Begegnungsabend ein: „Geschichts-Unterricht“ einmal anders!
Vortrag des Ehemaligen Johannes Rieger als Zeitzeuge von 60 Jahren deutscher Politik

Nach mehreren Anläufen hatte es am 26. Februar endlich geklappt: Johannes Rieger, Ehemaliger und langjähriges Mitglied unseres Fördervereins aus Bonn, kam in seine alte Heimat, um auf Einladung der FRAUNHOFER-Freunde seinen Vortrag zu halten mit dem Thema: „Als Journalist und Presse-Verantwortlicher im Kanzleramt in Bonn und Berlin – Was er als Zeitzeuge der deutschen Politik in mehr als 60 Jahren erlebte und welche Rolle Cham dabei spielte".

Tatsächlich hatte Johannes Rieger eine bemerkenswerte Karriere nach seinem Abitur 1962 an der damaligen Oberrealschule, dem heutigen Fraunhofer-Gymnasium, hingelegt und alles hatte hier begonnen, wie Erster Vorsitzender StD a. D. Christian Nowotny in seiner Begrüßung betonte. Ca. 50 interessierte Zuhörer sowie einige frühere Klassenkameraden des Referenten waren in die Pausenhalle gekommen, um dessen Erfahrungen und Erlebnissen in der deutschen Politik, die er mit einigen Bildern und Anekdoten illustrierte, zu lauschen.

Referent Johannes Rieger ...
Referent Johannes Rieger ...
... vor seinem aufmerksamen Publikum ...
... vor seinem aufmerksamen Publikum ...
... in der Fraunhofer-Pausenhalle
... in der Fraunhofer-Pausenhalle

Dem Studium der politischen Wissenschaften, Geschichte und Publizistik in München und Berlin schloss sich ein Volontariat bei den Sendern Freies Berlin und Deutsche Welle Köln an. In diesem Zusammenhang durfte er den damaligen Chamer Bürgermeister Michael Zimmermann zur Wiederwahl von Bundespräsident Heinrich Lübke im Juli 1964 nach Westberlin begleiten. Zimmermann war wegen seiner Schwerbeschädigung Wahlmann der bayerischen SPD in der Bundesversammlung, wie Johannes Rieger erzählte.

Bundeskanzler Willy Brandt, der Leiter des Berlin-Referats im Bundespresseamt Klaus Poll und Johannes Rieger (v. l.)
Bundeskanzler Willy Brandt, der Leiter des Berlin-Referats im Bundespresseamt Klaus Poll und Johannes Rieger (v. l.)

Ein Jahr nach seinem Examen als Diplompolitologe 1967 ging es steil bergauf: 1968 war er bereits Redakteur im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Bonn, 1969 Stellvertretender Leiter des Pressereferats im Bundeskanzleramt, wo er auch mit dem damaligen Innenminister Hermann Höcherl aus Brennberg bei Regensburg zu tun hatte, dessen Volksschullehrerin in Brennberg die Großmutter (aus Schönsee) von Riegers Ehefrau Anna war.

Bonner Rundschau vom 3.12.1970: Teilnahme von Johannes Riegers Ehefrau Anna (Mitte) an einem Pressetermin mit Bundesminister Horst Ehmke (Chef Bundeskanzleramt, r.) und Bundesminister a. D. Hermann Höcherl (l.)
Bonner Rundschau vom 3.12.1970: Teilnahme von Johannes Riegers Ehefrau Anna (Mitte) an einem Pressetermin mit Bundesminister Horst Ehmke (Chef Bundeskanzleramt, r.) und Bundesminister a. D. Hermann Höcherl (l.)

Weitere interessante politische Erfahrungen machte Johannes Rieger nicht nur zwischen 1971 und 1974 in Algerien und Ägypten als Chef vom Dienst Bundespresseamt Auslandsreisen, sondern auch bei einer USA-Reise 1973 mit Willy Brandt. Dort arbeitete er mit dem Stellvertretenden Leiter des German Information Center in New York, Erwin Freiherr von Schacky aus Waffenbrunn bei Cham, zusammen. (Diesen traf er Jahre später als Protokollchef des Landes Berlin unter dem Regierenden Bürgermeister von Weizsäcker.) 1974 musste Rieger auch den Rücktritt von Kanzler Willy Brandt nach der Guillaume-Affäre miterleben.

Johannes Rieger (2. v. r.) beim Vorsitzenden des DDR-Ministerrate Willi Stoph (4. v. l.), rechts neben ihm Günter Gaus, der erste Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR
Johannes Rieger (2. v. r.) beim Vorsitzenden des DDR-Ministerrate Willi Stoph (4. v. l.), rechts neben ihm Günter Gaus, der erste Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR

Von 1974 bis 1981war Johannes Rieger als Pressereferent in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR tätig, dabei waren zusätzliche Arbeitsschwerpunkte der Holocaust (Buchenwald und Auschwitz) sowie die Katholische Kirche. 1977 besuchte der damalige Redaktionsleiter des Bayerwald Echo Horst Trotz die StäV und schrieb darüber einen Artikel, in dem er auch Johannes Rieger und seinen damaligen Kollegen Oberamtsrat Georg Maier, beide Absolventen der Chamer Oberrealschule, erwähnte.

Es schlossen sich bis 1986 Jahre im Bundespresseamt Auslandsabteilung (verantwortlich für die kleineren Ostblockstaaten) an, danach bis 1989 die Tätigkeit als Botschaftsrat an der Botschaft Prag (Presse). Ein Schwerpunkt war hier die Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche, wobei der Referent mit unserem ehemaligen Religionslehrer Prälat Hubert Schöner zu tun hatte, ebenso mit unserem ehemaligen Landrat Dr. Max Fischer, wegen seiner Kontakte in die Tschechoslowakei damals als „heimlicher Außenminister Bayerns“ bekannt.

Architekt Naumann aus Regensburg, ein großer Mäzen von Kardinal Frantisek Tomasek, der Prager Kardinal Frantisek Tomasek, der Chamer Landrat Dr. Max Fischer und Johannes Rieger (v. l.)
Architekt Naumann aus Regensburg, ein großer Mäzen von Kardinal Frantisek Tomasek, der Prager Kardinal Frantisek Tomasek, der Chamer Landrat Dr. Max Fischer und Johannes Rieger (v. l.)

Ein weiterer Schwerpunkt war wiederum der Holocaust (Theresienstadt, Lidice). In diesem Zusammenhang setzte sich Johannes Rieger für die Auschwitz-Überlebende Erika Bezdickova ein, die wegen ihres Wohnsitzes im Ostblock keine Wiedergutmachung für ihre Zwangsarbeit in einem LKW-Werk von Daimler-Benz erhielt. Rieger schaltete seinen Studienfreund Horst Teltschik, damals Stellvertretender Leiter des Bundeskanzleramtes in Bonn, ein und konnte ihr 20.000 D-Mark im Namen von Bundeskanzler Helmut Kohl überreichen (knapp ein Jahr später wurden nach dem Zusammenbruch des Ostblocks solche Zahlungen auch dort möglich).

Johannes Rieger erlebte in Prag das letzte Jahr mit DDR-Flüchtlingen und war anschließend bis zu seinem Ausscheiden 2003 in der Senatsverwaltung für Bundes- und Europaangelegenheiten (Landesvertretung Berlin) in Bonn und Berlin tätig, ebenso 1990 als Berater der ersten frei gewählten DDR-Regierung unter Ministerpräsident de Maizière im Ministerium für Forschung und Technik. Als Vertreter des Landes Berlin arbeitete er auch in den Ausschüssen des Bundesrates für Verkehr, Umweltfragen, Kultur, Auswärtiges und Verteidigung und beschäftigte sich als Personalratsvorsitzender der Landesvertretung sehr viel mit dem für die unteren Gehaltsgruppen verträglichen Abwickeln der Landesvertretung in Bonn und möglichen Stellenübernahmen durch neue Ämter in Bonn (u. a. Bundesrechnungshof aus Frankfurt und Bundesinstitut für Pharmazie aus Berlin) sowie der Ansiedlung von UNO-Einrichtungen in Bonn.

Interessant für die Zuhörer aus dem Schulbereich war auch seine Arbeit als Vertreter des Landes Berlin in der Ständigen Vertragskommission des Bundes und der Länder, die nicht so bekannt ist. Gemäß Grundgesetz Artikel 70, Absatz 1, liegt nämlich die Gesetzgebungskompetenz für die Bereiche Bildung und Wissenschaft sowie Kultur bei den Ländern. Deshalb muss der Bund, wenn er entsprechende völkerrechtliche Abkommen abschließen möchte, zunächst deren Texte den Ländern vorlegen. Die Vertragskommission untersucht diese näher und gibt den Ländern entsprechende Empfehlungen, dass der Bund auf der Grundlage der begutachteten Texte Verhandlungen aufnehmen darf.

Erster Vorsitzender StD a. D. Christian Nowotny bedankt sich bei Referent Johannes Rieger mit den beiden Festschriften zum 75. und 100. Schuljubiläum des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums.
Erster Vorsitzender StD a. D. Christian Nowotny bedankt sich bei Referent Johannes Rieger mit den beiden Festschriften zum 75. und 100. Schuljubiläum des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums.

Am Ende seines spannenden Vortrages, den das Publikum sehr aufmerksam verfolgte, beantwortete der Referent noch gerne dessen Fragen, bevor sich Vorsitzender Nowotny bei Johannes Rieger mit einem Präsent (die mittlerweile vergriffene Festschrift zum 75-jährigen Schuljubiläum, die es nicht einmal mehr auf dem „Schwarzmarkt“ gibt, wie er anmerkte, sowie die Festschrift zum 100-jährigen Schuljubiläum des Fraunhofer-Gymnasiums) im Namen aller herzlich bedankte und ihm wieder eine gute Rückreise nach Bonn wünschte.

Johannes Rieger mit seinen ehemaligen Klassenkameraden Franz Aschenbrenner (Cham), Herbert Wirrer (Furth i. W.), Wolfgang Kagermeier (Cham) und Erich Eidenschink (Stallwang).
Johannes Rieger mit seinen ehemaligen Klassenkameraden Franz Aschenbrenner (Cham), Herbert Wirrer (Furth i. W.), Wolfgang Kagermeier (Cham) und Erich Eidenschink (Stallwang).

Johannes Rieger sagte in seinem Schlusswort, dass er sich sehr gefreut habe, wieder einmal an seiner alten Schule gewesen zu sein, um über seine beruflichen Erlebnisse in der deutschen Politik zu berichten. Eine besondere Freude war es für ihn auch, dass einige seiner ehemaligen Klassenkameraden anwesend waren und er seinen ältesten noch lebenden Lehrer, nämlich den 96-jährigen StD a. D. Josef Bauer, besuchen durfte. Dieser hatte für ihn nach dem Abitur ein wichtiges Empfehlungsschreiben verfasst, das ihm auf seinem beruflichen Weg in der Bonner Politik von großem Nutzen war.

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