
21.07.2026
Vom großen und kleinen Leben
Wie viel ist ein Theaterabend wert? Fünf Euro? Und wofür? Für die Requisiten, für den Text, für die Gesichter der Darstellerinnen? Oder geht es vielmehr um den Traum, den das Theater liefert, die Gefühle? Alles kostet. Mehr als man denkt. In der neuesten Produktion des FraunHOFtheaters mit dem Titel „Das ist das Leben!” ist es aber vor allem das Leben selbst, das seinen Preis hat. Träume, Ehrlichkeit, Würde, Freunde, Familie. All das kann eingetauscht werden gegen alles Mögliche. Im Supermarkt um die Ecke holt man sich nicht nur Erbsen, Sekt, Fruchtquark. Im Supermarkt passiert das Leben. Und dieses Leben präsentierte sich am Dienstag und Mittwoch im Langhaussaal Cham als eine Revue aus Einzelschicksalen, die sich lose mit einander verwoben.
Manche haben eben ein großes Leben, und andere eher ein kleines. Da ist zum Beispiel das achtjährige Kind Mara (Terlouw), das am eigenen Leben erfährt, wie schnell ein zu hohes Angebot die Nachfrage nach einem Produkt drastisch reduzieren kann, vor allem, wenn der ideelle Wert eines Fleißbildchens dadurch zerstört wird, dass man sich diese Auszeichnung, die doch von Jesus selbst kommen soll, in Wagners Kolonialwarenladen einfach so kaufen kann. Im Supermarkt bemüht sich aber auch Michaela (König) um Beachtung. Sie will die Welt retten, oder zumindest indische Straßenkinder. Oder afrikanische? Naja, egal, Hauptsache für die Seife werden keine Katzen vergast. Lara (Rucker) kann sich nicht entscheiden, was für einen Joghurt sie kaufen geschweige denn, wie sie leben soll. Und wie viel Sinn hat es, seine Lebensform von den entsprechenden Klamotten abhängig zu machen. Ist wirklich alles peinlich? Selbst Erbsen?
Diese und noch viele mehr Charaktere finden auf der Bühne zusammen, wenn die etwas verkrachte Kaufhaussängerin Elinor (Weiß) Sinatras „Send in the clowns” anklingen lässt, begleitet vom verhinderten Jazz-Pianisten Moritz (Wutz). Sind die Menschen im Supermarkt nur Clowns? Oder gar nur Marionetten der beiden Kassierer, Nepomuk (Salzberger) und Vincent (Strasser)? „Wie kommen wir aus dieser Nummer wieder raus?” – So fragt der Kassierer kurz vorm großen Finale. Für den Speditionskaufmann Johannes Holzer (Damien Garster) heißt der Ausweg Tod. Mit seinem Abgang endet das Stück – oder zumindest fast. Wenn nicht die eine Kunden, die nicht spricht, Annaëlle (Dawah) auf dem Klo vergessen worden wäre.Weitere Darsteller/-innen sind Sophia Dang, Lenke Gacs, Lisa-Marie Himmelstoß, Katharina Hundshammer, Helen Jung, Jule Klöckner, Leo Kulzer, Selina Lankes, Keyshia Macharia, Luisa Reichinger, Bastian Trinker. Alexander Bierl bediente die Ton- und Lichttechnik, Tim Fuchs sorgte mit seinem Live-Video-Kamera für zusätzliche starke Effekte. Die Spielleitung hatte Eva-Maria Schwarzfischer inne.
„Das ist das Leben!” fand viel Zuspruch unter dem Publikum, das sich nach eigenen Aussagen gleichzeitig gut unterhalten und zum Reflektieren angeregt fühlte.
Hier noch einige Eindrücke des Abends, fotografiert von Georg Mühlbauer:
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